Willi Gorbach – Erfolgreichster BSC-Segler 2021

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Autor: Ulrich Herburger

Bild: Archiv Gorbach

Im Porträt

Wilhelm Gorbach spielt viele Instrumente: Klavier und Querflöte, den Tennisschläger, zwei Brettl im Schnee, aber mit Abstand am liebsten und das größte ist seine J99 „Enjoy“. Am meisten Freude bereitet sie ihm, wenn der Abstand zu seinen Regatta-Kontrahenten möglichst groß ist. Heuer ist ihm das Distanzhalten mit dem Gewinn des ORC-Cups beeindruckend gelungen. Damit ist er der erfolgreichste Segler des BSC. Der Club gratuliert ihm und der Crew sehr herzlich.

Historie

Willi fährt seit jeher unter dem Clubstander des BSC obwohl er mit seiner Uli längst in Kressbronn, Berghalde, mit Seesicht lebt. Seine Segelkarriere hat er in den 60er Jahren als Jugendlicher im BSC begonnen. Den Club dominierten  damals Ärzte, Direktoren und Rechtsanwälte. Es war ein elitärer Kreis, der aber gleichzeitig junge Crews rekrutierte, die das Segeln unter strammem Regiment rasch lernten. Das war der Beginn der Segekarriere von Willi Gorbach. Auf den Booten von Helmut Warnecke, Heinz Wagner-Werbohrn und anderen konnten er und andere Jungsegler von der Erfahrung der Honoratioren profitieren. Diese bekamen im Austausch flinke Hände und technisches Know-how.

Jugendausfahrt mit der Elfe mit Kurt Huppenkothen am Ruder, Willi Gorbach, 1.v.li., auch im Bild unten

Als Jugendvertreter nahm Willi nach den offiziellen BSC-Clubabenden auf der Hohentwiel Order entgegen. Immerhin wurde den Jungseglern im Bauch des still gelegten Raddampfers ein Clubraum zugesprochen, welchen sie dann selbst ausbauten. Davon waren auch junge Damen begeistert. Der BSC – bis dahin eine reine Männerdomäne – öffnete sich langsam mit der damals jungen Generation der Emanzipation.

Ausbildung

Willi segelte leidenschaftlich, aber ohne seine beruflichen Ziele zu vernachlässigen. Er studierte Maschinenbau in Esslingen. An der dortigen FH gelang es ihm, seine Kenntnisse und Segelinteressen mit der Diplomarbeit zu verknüpfen. Das Thema, inspiriert von einer Physikvorlesung, lautete: Sichtbarmachung von Strömungen anhand von Segelprofilen einer Yacht. Solchermaßen in Theorie und Praxis bestens ausgebildet, führten ihn seine weiteren Wege anstatt auf den Bodensee zunächst nach Holland und England. Anspruchsvolle Jobs, zum Beispiel bei Unilever, führten dazu, dass er zwar hundert Mmal im Jahr mit dem Flugzeug flog, aber keine Zeit mehr dafür hatte, sich den Segelwind um die Nase wehen zu lassen. Also auf, Richtung See. Kempten war dann als Arbeitsort näher, aber auch noch kein Platz, von dem aus man – wir schreiben Anfang der 80er Jahre – schnell nach Feierabend an Bord springen konnte. Dann ging es step by step Richtung See, zunächst als Produktionsleiter zu Ravensburger. Der Wohnsitz  wanderte mit, nämlich nach Kressbronn. Von seinem Schreibtisch aus sieht er quasi den Wind, jedenfalls dessen Auswirkungen, und die Wellen. In 8acht Minuten ist Willi im BMK Hafen Langenargen und in weiteren 10 zehn Minuten in der Hafenausfahrt. Er übernimmt Handelsvertretungen für technische Innovationsfirmen aus Süddeutschland und gewinnt trotz starker zeitlicher Beanspruchung mehr Flexibilität für den geliebten Segelsport.

Boote

Das erste eigene  Boot war eine Dufour 28, Scallywaggs. Sie bildet gleichsam die unterste Sprosse auf Willis Bootsleiter.

Es folgt bald darauf eine Inferno 31.

Fünf Jahre später eine X302

Im Jahr 2000 die Rommel 33, Speed Up

In den Jahren 2006 bis 2018 segelt Willi die Dufour 34, Viva

Beim Warten auf die Enjoy hat Willi dann etwas Zeit gehabt, das ersegelte Metall einmal zu bilanzieren…

Stand 2019, Gesamtpreise 119

53 Erste, 37 Zweite, 19 Dritte, 4 Vierte, 6 schlechter als vierte, 109 mal am Stockerl“

Und last but not least im Jahr 2020 dann die J99, “Enjoy”.

Sie ist Willis gegenwärtige und künftige Freude.  Diesen Bootstyp, leicht, wendig, schnell, hat er im Hinblick auf das fortschreitende Alter ausgewählt. Sein Geburtsjahrgang ist 1949. Mitte 70, 10 Jahre nach der Regelpension, gehen viele in die Segelpension. Willi sicher nicht. Er hält sich fit wie der sprichwörtliche Turnschuh.

Bereits im ersten Eignerjahr konnte er den ORCup der Klasse 2 für den BSC heraus segeln, und heuer sogar den Gesamtsieg nach Hause fahren.

Wichtig ist ihm seit jeher, dass seine Boote Regattaerfolge vorzuweisen haben, dass der technische Zustand, das Segelkleid und die Ausrüstung beim Verkauf besser sind als bei der Übernahme. Sein Ingenieur-Know-how kommt ihm da zugute. Mit den Käufern seiner Boote war und ist er deshalb immer in gutem Kontakt.

Erfolge

Mit all seinen Booten war Willi erfolgreich, gewann alle jeweiligen Klassen-Schlüsselregatten, den legendären Kreuzerpokal, Vorgänger des ORCups, die Langstreckenrennen am Bodensee, egal ob der Länge nach oder quer, auch die Längste der Langen, The Race, von Langenargen nach Bodman, Lochau und wieder nach Langenargen, 70 Seemeilen. Vierzehn Jahre lang segelte er jedes Jahr 1000 Seemeilen am Bodensee. Chapeau! – Kein Wunder, dass er Wind und Wellen lesen kann wie nur wenige.

Und was sagt seine Gattin Uli zur zeitaufwendigen Leidenschaft des Segelns? – Da kommt eine bewährte Interessenslage zur Sprache. Uli voltigierte und segelt bei Will mit, wie die beiden Söhne, aber alle nicht Regatta. Das beste Beispiel: Uli fährt zur Deutschen Meisterschaft im Voltigieren nach Aachen und Willi zur Deutschen Meisterschaft im Seesegelnnach Glücksburg an der Ostsee.

Also nichts mit Familiencrew.

Crews

Dafür hat Willi Gorbach mindestens 20 Nachwuchsseglerinnen und – segler ausgebildet und überlässt ihnen auch das Boot, wenn er einmal nicht selbst steuern kann. Das ist ein großer Vertrauensbeweis. Die Crew kommt heute von der deutschen Seite des Sees. Damit die Wege kurz sind.

Was ist das Geheimnis einer erfolgreichen Crew? Als erstes nennt er offene, wertfreie, analytische Kommunikation. Wobei schon auch gelobt und motiviert werden dürfe. (Bei Willi an Bord, kein lautes Wort, kalauert der Berichterstatter.) Jedes Manöver, das taktisch notwendig ist, müssen alle in ihren Rollen beherrschen. Die aktuelle Besetzung: Willi steuert, Felix Gross ist der Bootsmann, sein Platz ist am Vorschiff. Julia Engelmann führt das Groß, Caren Seiffarth die Vorschot und den Gennaker , Markus Gielen ist der Taktiker.

v.li.n.re.: Markus Gielen, Willi Gorbach, Julia Engelmann, Caren Seiffarth und Felix Groos

“Nicht alles selber machen wollen, und Kommunikation ist alles.” So lautet der  Wahlspruch. Willi, der Diplomingenieur, studiert Perfomance-Tabellen des Bootes bis ins kleinste Detail. Das schlägt den Bogen zurück zur Diplomarbeit. Jetzt, in der Pension, ist er viel allein auf dem See und trainiert mit diesen Tabellen das Optimum. Die ganze Crew trainiert mindestens einmal wöchentlich. Segeln ist eben ein Erfahrungssport.

Dieser Tage, lädt Willi Gorbach die Crew zum bereits traditionellen Essen ein und übergibt einen schönen, schriftlich und bildlich dokumentierten Rückblick. Am Ende unseres Gesprächs stellt er fest: “Der schwächste Teil am Schiff ist immer die Crew. Und meine ist stark.” Wenn das kein Schlusswort ist…

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