Daily News – Freitag

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Autor: Ulrich Herburger

Bild: U. Herburger / H. Kalb Vogel / B. Giesinger

Lacustre wird zum TV-Event

Lacustre als TV Event

Die Internationale Schweizer Meisterschaft wird zum TV-Ereignis. Justament als pünktlich um 10:00 der Startschuss fällt, treffen die Redakteurin Astrid Brunn und Kameramann Michael Gartner am Hafen ein. Zuvor schon wurde das taunasse Boot trocken gelegt. Mit einem nassen Hosenboden hätte das TV Team keine Freude. Wir sind ja sicherlich nicht das einzige Thema des Tages. Nasse Hose steht beim Segeln für gute Lage, ist aber einer guten Berichterstattung wenig förderlich. Alles eine Frage der Optik.

Die Optik der TV-Kamera bleibt trocken. Ideale Aufnahmebedingungen. Der von einem leichten Süd geglättete See erlaubt es mit voller Power zur Luvtonne zu brettern – wie schnell man doch im Motorboot Jargon ist – gerade rechtzeitig, um die Manöver in großen Einstellungen dokumentieren zu können. Cut.

Ah! Da rundet soeben die Hornisse. So heißt der Bootsname auf Deutsch. Original, französich “Frelon”. Auf ihr – oder schreibt man ihm, weil “der Lacustre”? –  wäre ich heute früh schon auf einen Kaffee eingeladen gewesen. Leider musste ich absagen, nicht weil ich Angst gehabt hätte, dass Frelon zu klein für ein Frühstück zu dritt wäre. Wer hat zu Hause schon einen einen so großen Tisch wie das Achterdeck des Lacustre? Vielmehr bedarf es noch zu viel an Vorbereitung fürs Fernsehen. Das war der Grund. Cut.

Schlauchboot ausräumen, Belegleinen und Rettungswesten organisieren. (Nicht auszudenken, wenn der ORF ins Wasser…) Probefahren, denn das Motorbootfahren gehört im Gegensatz zum Segeln nicht zur Passion des Autors. Im Gegenteil. Cut.

Schweren Herzens musste also die Einladung abgelehnt werden. Dabei sind sie so nett, die Böhlers aus Konstanz-Staad, vom dortigen Segelverein. Das junge Paar hat, vermutlich ihrer Emotion entsprechend, vor zwei Jahren die himmelblaue Frelon erstanden. Davor hatten es einen Drachen. Ihr Lacustre ist ein Familienboot, wenn die sechsjährige Tochter dabei ist. Und bei der Regatta? Da ist er tagsüber Rennboot und bei Nacht ein Hausboot. Zum Regattieren werden frühmorgens die Schlafsäcke und Matratze ins Auto gebracht, damit Platz für die Segel ist. Und wo schläft der Dritte der Crew, Holger? Im Auto? – “Nein, der ist im Hotel, lacht Antje, das Achterdeck für das zweisame Frühstück deckend.  Es weht eine Brise Lacustre-Romantik. Henri Copponex, der Konstrukteur des Lacustres, ein Schweizer Mathematiker, Ingenieur und erfolgreicher Segelsportler, hätte sicherlich eine große Freude mit dem freundlichen Paar. Frelon trägt die Segelnummer 66. Gebaut 1948 und dokumentiert im letzten Meßbrief, den Copponex persönlich unterfertigt hat. Darauf ist Patrick sichtlich stolz. Das verpflichtet natürlich auch. – Viel Interessantes kann man in einem kurzen Gespräch vom Steg aus erfahren. Cut.

Redakteurin Astrid und Kameramann Michael sind sichtlich gut gelaunt. Das Wetter, der Wind und die schönen Boote. Was will man mehr als so einen Arbeitsplatz? Näher ran, ins Gegenlicht, schneller, langsamer, “Schau da kommt auch noch der Zeppelin.” Im gleichen Tempo parallel.  Wenn man nur den Motor nicht hören würde. Irgendwann darf es am See nur noch Elektromotoren geben. Zwischenschnitt, Rund ums Juryboot. Zwischenschnitt. Lee-Bojenleger. Beeindruckend die gefüllten Spinnaker. Noch näher ran. Dabei läuft die Welle jetzt in die Regattabahn. Näher geht nicht. Cut.

Fleissig sind sie, die Kollegen vom ORF. Das muss super tolles Material geben. Doch da fällt mir der Spruch ein, der zu meiner ORF-Zeit zum geflügelten Wort wurde und aus dem Mund des legendären Gesundheits-Landesrates Fredy Mayer stammt: “…und ist der Kameramann noch so fleißig, gesendet wird doch nur einsdreißig.” Cut.

Zu den Interviews. Wer kennt sich beim Lacustre aus?- Der, der sie baut, und in Personalunion zu den Favoriten zählt. Wo das Interview führen? – Es geht nur auf dem Boot. Anlanden ist erst für den Abend angesagt. Wo ist das Segelnummer 269? Gleich auf der Ziellinie. Maschine aus, damit der Signalton nicht gestört wird und dann nichts wie hin. Wo sind die Fender? – Fender am Schlauchboot? Fender am Lacustre: Hans-Jörg und Thomas von der Crew halten mit den Beinen die Boote auseinander. Lebende  Fender. Interview. 3000 Arbeitsstunden stecken im Tesoro mio. Astrid und Michael, das TV Team, unisono: Ein Traumboot! Was heisst eigentlich Tesoro mio? – Mein Schatz. Das ist der zutreffende Name für diesen Lacustre. Für die Kamera: Genua auf, Genua zu. Spi rauf, Spi runter. Zurück aufs Schlauchboot. Cut.

Wer versteht etwas von den Wettfahrten? Wer, wenn nicht der Wettfahrtleiter. Hin zum Startboot, zur Desir von Robert Giesinger. Auch keine Selbstverständlichkeit, dass jemand drei Tage lang sein Boot den Kühlschrank und sich selbst zur Verfügung stellt. Robert: “Alexander hat gefragt. Ich habe ihm gesagt, ich mach es. Genau zweimal. Diesmal und dann nicht mehr.“ Lacht. Danke Robert, für das Diesmal.

Das Interview gibt dann der Wettfahrtleiter Daniel Helbling. Und am Schluss die Frage: “Warum die Schweizermeisterschaft beim BSC?” – Das weiss der Präsident. Cut.

Rasch zur Leetonne. Dort ist der Präsident Bojenleger. Platz machen für das Schlauchboot, denn als Fender sind die Bojen zu groß. Dann findet Urs im ganzen Veranstaltungsstress, der auf ihm lastet, kurz Zeit für Freude und Stolz. Redakteurin zum Kameramann: “Haben wir alles?” -”Ja, alles.” Ein Brötchen, Wasser? Gerne, aber erst dann im Auto. Zurück in den Hafen. Cut.

Die Schweizer Meisterschaft ist in trockenen Tücher. Mindestens vier gewertete Wettfahrten sind nötig, sechs haben wir schon.

Und was kommt denn da daher? Schaut aus wie eine Riesen-Wasser-Shildkröte. Da wird gerade der Rigoletto Kopf der Festspiele abtransportiert. Können wir da noch schnell vorbei fahren? Wir können.

Und wann kommt der Beitrag? Erst morgen wird er geschnitten. Das ist gut. Denn schöne Bilder brauchen Zeit. Ausstrahlung noch offen. Wir bekommen Bescheid. Und publizieren es dann gleich. Ende.

Outcut: Den Kuchen des Tages in der Kuchen-Bude der BSC Jugend gibt es heute nicht. Nur die Kuchen. Eine Entscheidung wäre zu schwer gefallen. Morgen letzte Chance! Bitte nützen.

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