Abenteuer ORC EM

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Autor: Alexander Höss

Nach vielen erfolgreichen Regatten der Filius 3 am Bodensee, wurde bereits vor über einem Jahr die Idee geboren, auch an internationalen Events teilzunehmen. Und das ist für ein relativ unhandliches Boot wie einer Grand Surprise ein großes Unterfangen. Wahrscheinlich wäre das Vorhaben bereits am Transport gescheitert, wenn nicht unsere Crewmitglieder Claudia und Alexander Mehser sofort gesagt hätten: „Ist doch kein Problem, wir ziehen das Boot nach Barcelona und nehmen die Fähre nach Palma!“. Aber beginnen wir am Anfang:

Die Vorbereitung

Für die Teilnahme an einem internationalen ORC Event braucht es auch eine spezielle Vermessung und einen neuen Messbrief, Zulassungen des Bootes und die Konformität mit den geltenden Offshore Special Regulations (OSR 3 in unserem Fall). Und da fallen für ein Bodensee-Boot gleich mal unzählige Arbeitsstunden für den Umbau an wie z.B. hohe Reling, Funk, AIS, Toilette, Kochgelegenheit uvm. sowie die Organisation aller Ausrüstungsgegenstände an. Und dabei muss auf einem leichten Boot wie der Filius 3 natürlich auch auf das Gewicht geachtet werden, damit es überhaupt noch konkurrenzfähig ist. Im Frühlich war es dann soweit und die internationalen Vermesser besuchten uns in Vorarlberg und stellten einen neuen Messbrief aus, erste Hürde gemeistert!

Der Transport

Ein Gespann mit den Maßen 16 m Länge, 3 m Breite und 4 m Höhe quer durch Europa zu fahren ist kein leichtes Unterfangen. Auch hier brauchte es unzählige Stunden und Nerven für die Organisation der Sondergenehmigungen. Am Ende hatten wir Österreich, Schweiz und Frankreich in der Tasche und auf Spanien mussten wir verzichten. Die Katalanen haben ein Formular, dass für Nicht-Spanier schier unmöglich war digital abzusenden. Und dann ging es nach monatelanger Vorbereitung endlich los.

Claudia und Alex planten für die Reise 3 Tage ein und es stellte sich heraus, dass es auch gut so war. Mit kleineren Problemchen am Gespann ging es los, alles lösbar. Bis sie dann auf die Spanier treffen sollten… und die können in vielen Situationen echt nerven. Es ging damit los, dass die gebuchte Fähre den Transport plötzlich ablehnte, weil es eben keine Genehmigung dafür gäbe. In stundenlangen Verhandlungen versuchte unser Transportteam das Boot irgendwie auf diese Fähre zu bringen, aber keine Chance… Verzweifelt wurden sie dann aber von einem netten Mitarbeiter einer anderen Fährgesellschaft aufgefunden, der dann auch gleich eine Cargo-Fähre anbieten konnte.

Soweit so gut, etwas zittern mussten wir dann noch, ob das Gefährt dann die Fähre in Palma verlassen darf oder gleich von der Port Authority festgesetzt wird. Durch die freundliche Mithilfe des veranstaltenden Vereins Real Club Nautico Palma (RCNP) schauten aber auch diese Gesetzeshüter kurz mal weg, also geschafft! Könnte man sich denken… 😉 Eigentlich war mit den Securities der Werft für das Kranen vereinbart, dass sie um 5 Uhr morgens die Tore öffnen, damit das auffällige Gespann von der Straße kommt. Daran konnten die sich aber leider nicht mehr erinnern, genau so wie an den vereinbarten Krantermin. Erst nach Stunden und einer hilfreichen deutschsprachigen Werftmitarbeiterin kamen wir endlich ins Wasser. Die zahlreichen anderen Konfrontationen mit der spanischen Mentalität lassen wir jetzt lieber mal weg, situationselastisch muss man halt sein.

Die Vorbereitung

Damit wir uns auf die lokalen Verhältnisse optimal vorbereiten konnten, haben wir fast 1 Woche Trainings auf Mallorca eingeplant. Leider erkrankte Steuermann Nico und fiel 3 Tage aus, dies überschnitt sich aber mit einer Starkwindphase, die wir dann gar nicht für Zeit am Wasser nutzen konnten.

Dafür zitterten wir der Equipment Inspection entgegen. Und da geht es für spanische Verhältnisse sehr genau zu. Nun wissen wir: eine Ankerkette hat mehr als 4 Glieder, zumindest bei unserem Prüfer (andere kamen damit durch). Nach ein paar Nachbesserungen erhielten wir dann aber doch die Freigabe zur Regatta.

Und diese Regatta gehört zu den berühmtesten Events der Welt: die Copa del Rey in deren Rahmen auch die ORC European Championship durchgeführt wird. Da muss man auch mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen rechnen, der König von Spanien wie auch viele andere Top-Segler sind da jedes Jahr dabei. Geplant sind dabei einige Up & Down Wettfahrten und bis zu 2 Langstrecken, durchgeführt überwiegend in der Bucht vor Palma.

Event Website: https://www.regatacopadelrey.com/home

Die Regatta

Die Anspannung bei der ersten Wettfahrt im Team war natürlich groß. Zum ersten Mal in einem großen Feld von 32 Yachten zu segeln ist eine ganz neue Erfahrung im Gegensatz zu den eher kleinen Feldern am See. Und schwierig war es in allen Belangen: hohe Wellen, mehr Wind als prognostiziert und viel Verkehr am Start und auf der Bahn. Die große Herausforderung war dabei, dass wir überwiegend gegen große Schiffe segelten, die bei viel Wind natürlich auch ihre Rumpfgeschwindigkeit erreichten, aber definitiv besser durch die Wellen kamen. Öfters war die Filius 3 dabei mehr U-Boot als Boot, auch bei moderaten Bedingungen.

Obwohl wir bis zur letzten Wettfahrt kämpften, kamen wir nur in einer Wettfahrt in die Top-20 und blieben doch unter den eigenen Erwartungen. Es hat sich gezeigt, dass bei einem solchen Event die Konkurrenz natürlich sehr stark ist und bei diesen Bedingungen alles passen muss, um vorne mit dabei zu sein. Jedenfalls haben wir viel dabei gelernt und es macht mega viel Spass am Meer zu segeln und sich mit so vielen Gegnern zu messen.

Es war ein geniales Abenteuer, das nach einer Wiederholung ruft. Vielen Dank an das gesamte Team für die Mühe und die vielen, vielen Arbeitsstunden. Ohne die Mithilfe aller wäre das nicht möglich gewesen!

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